Radltour Neuseeland 2006

4. Teil (Taupo - Wellington, 23. - 27. Januar 2006)

 

Montag, 23.01. Turangi (64 km)

Zunächst radeln wir noch 6 km flussabwärts zurück zu den Hukafalls, in dessen Strudeln Jetboote für Nervenkitzel sorgen. 

Hukafalls

Hukafalls

Auf dem Rückweg durch das liebliche Tal des Waikato Rivers entdecken wir freudig überrascht Thermalquellen (die Taupo Spas), die sich hier mit dem kalten Flusswasser mischen, so dass man sich jede gewünschte Badetemperatur aussuchen kann. Natürlich baden wir auch im riesigen Lake Taupo. Danach geht es meist die Küstenstraße entlang; meist heißt, dass zwischendurch ein 4 km langer Anstieg zu überwinden ist. Danach wird es wirklich schön (“Corfu Road”). In der Sportman’s Lodge in Turangi erhalten wir erstmals ein Doppelzimmer mit eigener Nasszelle und genießen den Luxus.

 

Dienstag, 24.01. Raetihi (96 km)

Dieser Tag (samt den zwei folgenden) wird wohl ewig in unserer Erinnerung bleiben. Zunächst geht es 6 km steil bergauf (6 km/h radeln oder 4 km/h schieben), dann im strömenden Regen vorbei am Lake Rotoara, bis wir uns in Eivin’s Lodge aufwärmen können. Eigentlich wollten wir im Tongariro Nationalpark einen Wandertag einlegen, um Vulkane und Kraterseen anzuschauen, aber das Wetter lässt dies nicht zu. Wir kämpfen uns schiebenderweise gegen tosenden Sturm durch die steppenähnliche Landschaft Richtung Berghütte Mangatepopo Hut, müssen aber nach 5 langen langen Kilometern umkehren, vor allem auch deshalb, weil keine Aussicht auf Wetterbesserung besteht. Danach geht es natürlich wie im Flug weiter bei diesem Rückenwind und dem wieder abfallenden Gelände.

Tongariro Nationalpark im Regen ohne Ausblick

Tongariro Nationalpark im Regen ohne Ausblick

 

Mittwoch, 25.01. Wanganui (102 km)

Blick zurück zum Tongariro Nationalpark

Blick zurück zum Tongariro Nationalpark

Blick nach vorn Richtung Whanganui River

Blick nach vorn Richtung Whanganui River

Kurvenreiche Whanganui Riverroad

Kurvenreiche Whanganui Riverroad

Wir nehmen ab Raetihi den Abstecher nach Pipiriki, um ab dort die berühmt-berüchtigte Riverroad am Whanganui River entlang zu fahren (der Fluss schreibt sich mit, der Ort an der Mündung ohne “h”). Uns erwarten eine dschungelähnliche Schluchten-Landschaft, 34 km durch den Regen aufgeweichte (Gravel = Kies) und von Stotterrillen gezeichnete Schotterpiste, ungezählte Anstiege und Abfahrten und zuguterletzt ein nie erlebter Wolkenbruch. Obwohl es “eigentlich” flussabwärts geht, schaffen wir in den ersten 5 Stunden nur 50 km. Unterwegs kommen wir durch verarmte und verlassene Maoridörfer und einen Ort namens Jerusalem (haben wir uns so weit verirrt?). Uta wünscht sich ein Bild der Blumen am Straßenrand. Gottseidank haben wir bei dem Wolkenbruch bereits wieder die befestigte Strasse erreicht. In der kurzen Zeit, bis wir unsere Regenkleidung angezogen haben, stehen unsere Fahrräder schon bis zu den Achsen im Straßengraben im Wasser. Von den Hängen rauschen Sturzbäche ins Tal und überfluten die Strasse. Ausgekühlt, durchnässt und erschöpft retten wir uns in die Zivilisation, nicht ohne zuvor noch kurz vor der Mündung einen kleinen Pass überwinden zu müssen.

 

Donnerstag, 26.01. Levin (105 km)

Alles scheint bestens: die Berge liegen hinter uns, eine weite Küstenebene vor uns, die Sonne strahlt wieder freundlich vom Himmel herab. Dafür haben wir heute brutalen Gegenwind gegen uns, der uns alles abverlangt. Statt locker mit 24 km/h durch die flache Landschaft zu rollen, quälen wir uns mühsam mit 8 km/h (!) voran. So breit kann Volker gar nicht sein, um Uta ausreichend Windschutz zu bieten. Erst als wir in Sanson nach Südwesten abdrehen, wird aus dem Gegenwind leicht schiebender Seitenwind. Dafür reißt der neugekaufte Reifen an Volkers Hinterrad so weit an der Felge auf, bis der Schlauch platzt. Notdürftig wird beides geflickt. Für die Entbehrungen dieses Tages lassen wir uns in einem angenehmen Motel samt Restaurant in Levin entschädigen. Für den Spa (Warmwasserpool) sind beide zu müde! Uta hat verbrannte Handrücken, weil sie keine Radlerhandschuhe trug. 

 

Freitag, 27.01. Wellington (91 km)

Wir feiern unterwegs unseren 1.000sten Kilometer mit Milch (!) und sind mittags endlich wieder am Meer (Tasman Sea). Die Wassertemperatur in der Pukerua Bay beurteilt Uta mit “Eibsee im Mai” und Volker mit “Ferchensee im Oktober” (weil er Eibsee im Mai nicht kennt). Dafür ist der Sandstrand so heiß, dass man nicht barfuss darauf laufen kann. 

Pukerua Bay

Pukerua Bay

Kurz vor Wellington entdeckt Volker endlich ein Radlgeschäft und versorgt sich wieder mal mit einem neuen Reifen. Um 18:00 Uhr erreichen wir den Stadtteil Johnsonville (91 km), in dem uns unser freundlicher Gastgeber Martin (Frau Glenda und Töchter Lucy und Emily sind noch in Brisbane in Australien) nach Ngaio abholt. Der erste Tourabschnitt ist geschafft! Martin umsorgt uns liebevoll, opfert das eigene Schlafzimmer, kocht (es gibt Fisch, Kartoffeln, Maiskolben = sweet corn, Weißwein) und führt uns in der Nacht auf einen kleinen Aussichtsberg (waterreservoir), wo wir die Lichter von Wellington bestaunen.

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